Snowsong
Tochter des Nordwindes
***
„Der Morgen graut.“ Kocas Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
Ratlos schaute Vanalo zu seinem kleinen Elememtargeist. Er war zusammen mit Denai und Koca Nathanas Duft gefolgt. Und nun stand er vor einem vergitterten Fenster auf Bahalmes Tempelgelände.
„Wie hat sie das nur geschafft?“, flüsterte er.
„Das Gestein um die Gitterstäbe ist locker. Sie könnte die Stäbe verrückt haben“, meinte Koca.
Der kleine Geist schnupperte an dem Fenster. „Magie hat sie keine eingesetzt“, stellte er fest, „und ich kann auch keine Spuren, die auf Gewalt hindeuten, erkennen.“
Vanalo stieß einen Fluch aus.
„Wir kommen da nicht ohne weiteres rein, oder?“
„Selbst wenn, Meister, wie wollt Ihr das den Priestern erklären?“
„Ach Koca. In solchen Momenten wünsche ich mir nichts sehnlicheres, als ein Assassine zu sein.“ Er hob den Elementgeist hoch. „Dann hätten wir nicht solche Probleme.“
„Mag sein, aber dann hätten wir uns auch nie kennen gelehrt.“
Da musste ihm der Beschwörer Recht geben.
Er ging zu Denai und strich ihr sanft über den Kopf.
„Danke meine Liebe. Du hast uns wie immer sehr geholfen. Jetzt erhole dich von dieser ganzen Rennerei.“ Vanalo öffnete Denai einen Spalt auf die Astralebene.
Denai verneigte sich und verschwand.
„Und wir zwei gönnen uns jetzt ein wohlverdientes Frühstück“, sagte er zu Koca.
***
Atemberaubend! Wundervoll!
Sheoe konnte sich nicht satt sehen. Der Raum war in ein kaltes, bläuliches Licht getaucht.
Überall war Eis und Schnee.
Sie vergaß sogar die Kälte, obwohl ihr Atem in weißen Wolken vor ihr her flog.
„Wahrhaftig. Das ist wunderschön.“ Sheoe bemerkte nicht einmal, dass der Schweiß langsam gefror. „Einfach bezaubernd!“
„So weiß endlich jemand meine Arbeit zu schätzen?“
Sheoe fuhr herum. Aber hinter ihr stand niemand.
„Es ehrt mich, dass eine so junge, wunderschöne Frau meine Kunstwerke für wert hält, sie zu betrachten.“
„W...wer spr...spricht da?“ Sheoe erinnerte sich wieder an die Kälte.
„Ich.“ Wie aus dem Nichts erschien ein Wesen vor ihr.
Sheoe sprang schreiend zurück. Dabei stolperte sie und landete auf ihrem Hintern.
Ängstlich starrte sie das Wesen an.
Es war groß. Der Kopf war ein kahler Schädel, in dessen leeren Augenhöhlen ein grünliches Feuer brannte. Zwei lange Reißzähne fielen ihr ins Auge. Der Kopf hatte eine Ähnlichkeit mit dem auf ihrem Amulett.
Der Kopf wurde nur von einer dünnen Wirbelsäule gehalten. Die Wirbelsäule verschwand in einem schwarzen Kragen. Der Kragen gehörte zu einer schwarz-violetten Robe, der die Ärmel fehlten. Das Wesen hatte Skelettarme. Es schwebte etwa einen halben Meter über dem Boden.
Nach dieser Musterung empfand Sheoe auch etwas Faszination. Aber das hatte nichts zu bedeuten.
Sie fand auch giftige Schlangen faszinierend
„Habt keine Angst, Erhabene“, sagte das Wesen.
Erhabene, wieder diese Anrede!
„Mein Name ist Cel´ Zazak“, stellte er sich vor.
„Ich bin...“ Sheoe räusperte sich. „Ich bin Sheoe.“ Sie stand langsam auf.
„Sheoe? Welch ungewöhnlicher Name.“ Das Wesen schwebte um sie herum.
„Und welch seltsame, würdelose Kleidung Ihr tragt! Sagt mir, gaben Eure Eltern Euch keine anständige Kleidung?“
Sheoe blieb die Luft weg. „I...Ihr wisst, was ich bin?“
Cel´ Zazak legte den Kopf schief.
„Aber natürlich. Euer Volk ist einzigartig.“
„Dann könnt Ihr mir sagen, was für eine Elfe ich bin?“ Sheoes Herz begann wie wild zu hämmern.
„ELFE??“ Dann begann er zu lachen. Sein Lachen schallte durch den Raum.
Er schwebte hinter sie und schob sie vor sich her. Vor einer großen Eisplatte blieb sie stehen. Die Platte war poliert und spiegelte Sheoe und das Wesen.
„Sagt mir, Erhabene“, er kicherte. „kennt Ihr auch nur eine Elfenart, die so aussieht?“, fragte er.
Sheoe antwortet nicht. Sie starrte ihr Spiegelbild an. Der Sturz von der Treppe hatte ihr eine Platzwunde am Kopf und viele Prellungen eingebracht.
„Nein nein, meine Liebe. Ihr seid keine Elfe.“ Cel´Zazak schwebte zu einer Truhe und öffnete sie. „Ihr und die Elfen habt die gleichen Vorfahren. Aber mehr auch nicht.“ Er präsentierte ihr eine Truhe voller Kleider.
„Ihr seit ein Waisenkind, nicht war?“, fragte er sie freundlich.
„Ja, ich wurde von einer Fischerfamilie großgezogen.“ Sheoe starte die Truhe an.
„Dann wird es Zeit, dass Ihr nach Hause geht!“ Cel` Zazak nickte nachdenklich. „Ja ja. Ihr solltet nach Hause gehen.“
„Und Ihr wisst natürlich, wo das ist“, meinte Sheoe sarkastisch.
„Selbstverständlich. Euer Volk haust im Tal der Verlorenen.“
Ein Schauer rannte ihr über den Rücken. Angstschweiß bildete sich, der sofort wieder gefror. Was war ihr Volk, dass es in diesem Tal lebte? Was für Mächte vermochte ihre Art zu entwickeln, dass sie es dort aushielten, wo niemand mehr zurückkehrte?
Sheoe kannte die Geschichten, die über das Tal erzählt wurden. Und ein jede war vermutlich wahr. Seien es Händler, die sich verirrt hatten, oder mutige Abenteurer. Wer je auch nur einen Fuß über die unsichtbare Grenze setzte, kam nie wieder zurück.
Angeblich lebten dort, in dem Tal, die letzten Knochendrachen. Jene gefürchteten geflügelten Echsen, die Tod und Verderben vor langer Zeit über die freien Völker gebracht hatten. In einer langen Schlacht hatte man die Drachen besiegt. Dennoch wagte niemand, sich in der unmittelbaren Nähe des Tales niederzulassen. Jene, die es wagten, verschwanden spurlos oder wurden auf grausamste Art verstümmelt aufgefunden.
„Ich glaube nicht, dass ich es allzu eilig habe“, meinte Sheoe schnell. Das Wesen lachte wieder los.
„Warum? Euer Volk vermisst Euch sicher schon schmerzlichst. Kinder, insbesondere Mädchen, werden dort selten geboren.“
Sheoe antworte nicht.
„Wieso zieht Ihr Euch nicht etwas Anständiges an? Ich werde derweil etwas Warmes zum Essen auftreiben“, schlug Cel´ Zazak vor.
„Ja, das klingt gut, ich...“
Doch das Wesen war schon weg. Sheoe zuckte mit den Schultern. Sie beugte sich über die Truhe und begann darin zu wühlen.
Es gab Kleider, die einem Knappen gut gestanden hätten, Hosen und Hemden, die für einen Abenteurer gemacht worden waren und Ballkleider, die einer Kaiserin würdig gewesen wären.
Sheoe hatte noch nie so erlesene Stoffe wie Mondseide oder Wiesenwolle in den Händen gehalten, oder gar getragen.
Alles hatte ungefähr ihre Größe.
Welch eigenartiger Zufall...
„Der Morgen graut.“ Kocas Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.
Ratlos schaute Vanalo zu seinem kleinen Elememtargeist. Er war zusammen mit Denai und Koca Nathanas Duft gefolgt. Und nun stand er vor einem vergitterten Fenster auf Bahalmes Tempelgelände.
„Wie hat sie das nur geschafft?“, flüsterte er.
„Das Gestein um die Gitterstäbe ist locker. Sie könnte die Stäbe verrückt haben“, meinte Koca.
Der kleine Geist schnupperte an dem Fenster. „Magie hat sie keine eingesetzt“, stellte er fest, „und ich kann auch keine Spuren, die auf Gewalt hindeuten, erkennen.“
Vanalo stieß einen Fluch aus.
„Wir kommen da nicht ohne weiteres rein, oder?“
„Selbst wenn, Meister, wie wollt Ihr das den Priestern erklären?“
„Ach Koca. In solchen Momenten wünsche ich mir nichts sehnlicheres, als ein Assassine zu sein.“ Er hob den Elementgeist hoch. „Dann hätten wir nicht solche Probleme.“
„Mag sein, aber dann hätten wir uns auch nie kennen gelehrt.“
Da musste ihm der Beschwörer Recht geben.
Er ging zu Denai und strich ihr sanft über den Kopf.
„Danke meine Liebe. Du hast uns wie immer sehr geholfen. Jetzt erhole dich von dieser ganzen Rennerei.“ Vanalo öffnete Denai einen Spalt auf die Astralebene.
Denai verneigte sich und verschwand.
„Und wir zwei gönnen uns jetzt ein wohlverdientes Frühstück“, sagte er zu Koca.
***
Atemberaubend! Wundervoll!
Sheoe konnte sich nicht satt sehen. Der Raum war in ein kaltes, bläuliches Licht getaucht.
Überall war Eis und Schnee.
Sie vergaß sogar die Kälte, obwohl ihr Atem in weißen Wolken vor ihr her flog.
„Wahrhaftig. Das ist wunderschön.“ Sheoe bemerkte nicht einmal, dass der Schweiß langsam gefror. „Einfach bezaubernd!“
„So weiß endlich jemand meine Arbeit zu schätzen?“
Sheoe fuhr herum. Aber hinter ihr stand niemand.
„Es ehrt mich, dass eine so junge, wunderschöne Frau meine Kunstwerke für wert hält, sie zu betrachten.“
„W...wer spr...spricht da?“ Sheoe erinnerte sich wieder an die Kälte.
„Ich.“ Wie aus dem Nichts erschien ein Wesen vor ihr.
Sheoe sprang schreiend zurück. Dabei stolperte sie und landete auf ihrem Hintern.
Ängstlich starrte sie das Wesen an.
Es war groß. Der Kopf war ein kahler Schädel, in dessen leeren Augenhöhlen ein grünliches Feuer brannte. Zwei lange Reißzähne fielen ihr ins Auge. Der Kopf hatte eine Ähnlichkeit mit dem auf ihrem Amulett.
Der Kopf wurde nur von einer dünnen Wirbelsäule gehalten. Die Wirbelsäule verschwand in einem schwarzen Kragen. Der Kragen gehörte zu einer schwarz-violetten Robe, der die Ärmel fehlten. Das Wesen hatte Skelettarme. Es schwebte etwa einen halben Meter über dem Boden.
Nach dieser Musterung empfand Sheoe auch etwas Faszination. Aber das hatte nichts zu bedeuten.
Sie fand auch giftige Schlangen faszinierend
„Habt keine Angst, Erhabene“, sagte das Wesen.
Erhabene, wieder diese Anrede!
„Mein Name ist Cel´ Zazak“, stellte er sich vor.
„Ich bin...“ Sheoe räusperte sich. „Ich bin Sheoe.“ Sie stand langsam auf.
„Sheoe? Welch ungewöhnlicher Name.“ Das Wesen schwebte um sie herum.
„Und welch seltsame, würdelose Kleidung Ihr tragt! Sagt mir, gaben Eure Eltern Euch keine anständige Kleidung?“
Sheoe blieb die Luft weg. „I...Ihr wisst, was ich bin?“
Cel´ Zazak legte den Kopf schief.
„Aber natürlich. Euer Volk ist einzigartig.“
„Dann könnt Ihr mir sagen, was für eine Elfe ich bin?“ Sheoes Herz begann wie wild zu hämmern.
„ELFE??“ Dann begann er zu lachen. Sein Lachen schallte durch den Raum.
Er schwebte hinter sie und schob sie vor sich her. Vor einer großen Eisplatte blieb sie stehen. Die Platte war poliert und spiegelte Sheoe und das Wesen.
„Sagt mir, Erhabene“, er kicherte. „kennt Ihr auch nur eine Elfenart, die so aussieht?“, fragte er.
Sheoe antwortet nicht. Sie starrte ihr Spiegelbild an. Der Sturz von der Treppe hatte ihr eine Platzwunde am Kopf und viele Prellungen eingebracht.
„Nein nein, meine Liebe. Ihr seid keine Elfe.“ Cel´Zazak schwebte zu einer Truhe und öffnete sie. „Ihr und die Elfen habt die gleichen Vorfahren. Aber mehr auch nicht.“ Er präsentierte ihr eine Truhe voller Kleider.
„Ihr seit ein Waisenkind, nicht war?“, fragte er sie freundlich.
„Ja, ich wurde von einer Fischerfamilie großgezogen.“ Sheoe starte die Truhe an.
„Dann wird es Zeit, dass Ihr nach Hause geht!“ Cel` Zazak nickte nachdenklich. „Ja ja. Ihr solltet nach Hause gehen.“
„Und Ihr wisst natürlich, wo das ist“, meinte Sheoe sarkastisch.
„Selbstverständlich. Euer Volk haust im Tal der Verlorenen.“
Ein Schauer rannte ihr über den Rücken. Angstschweiß bildete sich, der sofort wieder gefror. Was war ihr Volk, dass es in diesem Tal lebte? Was für Mächte vermochte ihre Art zu entwickeln, dass sie es dort aushielten, wo niemand mehr zurückkehrte?
Sheoe kannte die Geschichten, die über das Tal erzählt wurden. Und ein jede war vermutlich wahr. Seien es Händler, die sich verirrt hatten, oder mutige Abenteurer. Wer je auch nur einen Fuß über die unsichtbare Grenze setzte, kam nie wieder zurück.
Angeblich lebten dort, in dem Tal, die letzten Knochendrachen. Jene gefürchteten geflügelten Echsen, die Tod und Verderben vor langer Zeit über die freien Völker gebracht hatten. In einer langen Schlacht hatte man die Drachen besiegt. Dennoch wagte niemand, sich in der unmittelbaren Nähe des Tales niederzulassen. Jene, die es wagten, verschwanden spurlos oder wurden auf grausamste Art verstümmelt aufgefunden.
„Ich glaube nicht, dass ich es allzu eilig habe“, meinte Sheoe schnell. Das Wesen lachte wieder los.
„Warum? Euer Volk vermisst Euch sicher schon schmerzlichst. Kinder, insbesondere Mädchen, werden dort selten geboren.“
Sheoe antworte nicht.
„Wieso zieht Ihr Euch nicht etwas Anständiges an? Ich werde derweil etwas Warmes zum Essen auftreiben“, schlug Cel´ Zazak vor.
„Ja, das klingt gut, ich...“
Doch das Wesen war schon weg. Sheoe zuckte mit den Schultern. Sie beugte sich über die Truhe und begann darin zu wühlen.
Es gab Kleider, die einem Knappen gut gestanden hätten, Hosen und Hemden, die für einen Abenteurer gemacht worden waren und Ballkleider, die einer Kaiserin würdig gewesen wären.
Sheoe hatte noch nie so erlesene Stoffe wie Mondseide oder Wiesenwolle in den Händen gehalten, oder gar getragen.
Alles hatte ungefähr ihre Größe.
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