Michael Fallik
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- 11. Apr. 2026
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Frisch angemeldet in diesem Forum möchte ich mich vorstellen: Ich bin jemand, der sehr viele Bücher gelesen hat und sich während vieler Stunden Autofahrt noch mehr vorlesen ließ. Dabei ist ein wenig hängen geblieben. Seit zwei Jahren schreibe ich eigene Geschichten. Das ist weder aufregend noch an dieser Stelle ungewöhnlich zu erwähnen. Wie bei jeder Tätigkeit gab es dabei einen Lernprozess. Forciert habe ich ihn durch die Lektüre von Schreibratgebern und indem ich die Erfahrungen und Ratschläge Gleichgesinnter durch YT-Videos konsumierte.
Der folgende Text, als etwas anderes möchte ich ihn nicht bezeichnen, er ist weder Story noch ein Auszug von etwas Größerem, ist ein Ergebnis zweier Ereignisse: Zunächst gab es eine monatlich erscheinende Schreibübung im DSF. Parallel dazu hörte ich "How to Write Best-Selling Fiction“ von James Scott Bell. Das eigentlich nur, um meine Englischkenntnisse zu vertiefen.
Ich beschloss spontan, seine Ratschläge anzuwenden. Dabei kam, recht schnell und auf meine panserartige Weise, Folgendes zustande:
»Sarah, du wirst verbluten.«
Die Stimme klingt vertraut. Anders als die dumpfen Hilferufe oberhalb des Kellers.
Ich strecke meinen unverletzten Arm aus und streichle über Simbas Fell. Er schnurrt. Ich bin ihm dankbar dafür. Wie gern würde ich jetzt in seine grünen Augen sehen.
Völlige Dunkelheit. Ich kannte sie nicht so. Nun drückt sie mich nieder, treibt mich in Selbstgespräche und erstickt jeden Gedanken an Hoffnung.
Verbluten ist keine schlechte Wahl. Wie lange dauert so etwas?
Wieder dämmere ich weg, versinke dankbar in einen Halbschlaf.
Ein pfeifender Ton erklingt. Zu weit entfernt, um Erlösung zu bringen. Der Einschlag ist brutal. Die Druckwelle lässt die Reste des Gebäudes über mir erbeben. Beton zittert, Staub rieselt auf mich herab. Meine Augen brennen.
In meinem Kopf rotieren die Gedanken. Das eine Bild, unscheinbar in seiner Alltäglichkeit. Jonas und Ben, wie sie lachend in den Wagen steigen und wie Bens kleine Hand durch einen Spalt im Wagenfenster winkt.
Die erste Explosion kam kurz danach.
Der Wunsch, sie zu finden, ist stärker als Hunger und Schmerz.
Ich schraube vorsichtig die Flasche auf, träufele etwas Wasser auf den Boden zu meinen Füßen und lausche dem Schlecken des Katers. Dann nehme ich einen Schluck.
Etwas hat sich verändert. Zum ersten Mal zeichnen sich die Konturen des Kellerraums ab. Ein schmaler Lichtspalt dringt durch die staubige Luft. Ich presse die Augen zusammen, zähle bis zehn, öffne sie wieder. Simba sieht mich mit riesigen Pupillen an.
Sekunden später bricht die Hölle aus. Nichts dämpft den Lärm, es ist direkt vor mir, Dreck spritzt in mein Gesicht und ich spüre die Krallen des Katers in meiner Haut. Grelles Licht durchflutet den Raum, durch einen wallenden Staubnebel erkenne ich undeutlich den blauen Himmel.
Meine Hand sieht übel aus. Ebenso schlimm wie der pochende Schmerz in den verdrehten Fingern. Simba springt auf, macht einen Buckel und schleicht vorsichtig dem Licht entgegen. Ich folge.
Draußen ist es chaotischer, als ich es mir vorgestellt habe. Die Straße ist von der Feuersbrunst verschont geblieben; wahrscheinlich lebe ich deshalb noch. Keins der Häuser steht mehr intakt. Auf der Veranda der Barkleys liegen die Reste einer Sitzbank, vermischt mit zerrissenen Körpern. Ich beginne zu würgen, mein Hals brennt.
Jonas und Ben. Ich muss in die Stadt. Ich muss sie finden. Ohne einen weiteren Blick auf die zerschmetterten Körper meiner Nachbarn zu werfen, mache ich mich auf den Weg. Simba folgt mir. Nirgends eine lebende Seele. Meine Zunge klebt trocken am Gaumen. Meine Mundwinkel sind zu einer Fratze erstarrt.
Vor einem halb eingestürzten Haus bleibe ich stehen. Später sitze ich an einem Küchentisch. Vor mir der Kater und halb geleerte Fast-Food-Schalen. Ich habe mir eine Schlaufe um den Hals gelegt. Meine Hand ist notdürftig verbunden.
»Sarah, du wirst nicht verbluten.«
Meine Stimme klingt jetzt klarer.
In der Garage finde ich Fahrräder. Ich hantiere mit einem Einkaufskorb, beiße die Zähne zusammen. Erst als mir schwarz vor Augen wird, komme ich auf den Gedanken, nach Schmerzmitteln zu suchen.
Das Fahrrad rollt langsam über den Parkplatz. Simba hat sich im Korb zusammengerollt. Er erscheint mir so tapfer. Welches Ziel treibt ihn an?
Mein Herz schmerzt. Ich überlege, mehr Tabletten zu nehmen, lasse es.
Dann sehe ich unseren Wagen. Unverkennbar die albernen Aufkleber, die Ben so liebt. Alle Türen stehen offen. Auf dem Rücksitz zwei Einkaufstüten, ihr Inhalt im Fußraum verstreut.
Von Jonas und Ben keine Spur.
Simba richtet sich auf, springt aus dem Korb. Er hebt den Kopf, als würde er etwas wittern. Dann schaut er mich an. Der Blick aus diesen grünen Augen ist schlimmer als alles um mich herum.
Ich lehne das Fahrrad vorsichtig gegen den Kofferraum.
Die Front des Supermarkts ist unversehrt. Die Türen stehen weit offen. Der Anblick wirkt wie ein Foto. Leblos.
Ich will rufen, aber meine Stimme versagt. Der erste Schritt schmerzt. Der erste Schritt von vielen.
Mein Wille weicht. Es bleibt Abneigung. Hass.
Ich hasse die Stille. Das völlige Fehlen von Leben.
Das Jaulen des Katers ist wie ein Schlag in mein Gesicht. Sein Fell ist gesträubt. Bevor ich verstehe, dreht er sich um, schleicht einige Schritte zurück. Weg von den offenen Türen der Mall.
Dann höre ich das Motorengeräusch. Eine dieser kleinen Maschinen, auf denen die Kids so gerne fahren. Es klingt wie Musik, Tränen schießen mir in die Augen und wie hinter einem gläsernen Schleier erkenne ich endlich Bewegung.
Der Junge ist kaum älter als Ben. Er wirkt wie ein Spielzeug auf seinem Gefährt. Über seinem schmutzigen T-Shirt spannen sie die Riemen eines Rucksacks, aus dem mich zwei Katzenaugen anstarren.
»Es ist also wahr«, höre ich seine Stimme. Er zeigt auf meinen Kater. »Sie mögen keine Katzen. Glaube ich.« Er blickt scheu an mir vorbei.
»Alles kaputt. Alle sind weg. Hab sie gesehen. Diese … Dinger.« Er sagt das auf eine Weise, die nicht mehr kindlich ist. Ich bin zu verwirrt, um zu antworten.
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Achthundert Wörter sprengten schon den Rahmen und ich hörte auf zu schreiben. Ein eigentümliches Gefühl überkam mich. So viel Kalkül, so viel Absicht, gezielt Spannung und Interesse zu erzeugen, kam mir wie Betrug an etwas vor, das ich im Grunde nicht erfassen konnte. Meine ersten Bücher und Kurzgeschichten waren stets Ergebnisse eines hemmungslosen Schreibprozesses, der keinen Regeln unterlag.
Einige Leser versicherten mir, der Text wäre fesselnd, Sarah erzeuge Mitgefühl und dann noch Katzen. Katzen!
Ich bin ein Schuft. Alles Absicht.
Jemand verstieg sich zu der Behauptung, das wäre ein Setting für einen Roman. Mir fiel spontan dazu ein, dass es niemals funktionieren würde im Hinblick auf "Best-Selling". Zunächst, jeder Katzenbesitzer weiß doch, dass seine Schützlinge Vagabunden sind. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Stadtviertels zwei dieser herrlichen Wesen anzutreffen, die es sich in einem Transportkorb gemütlich machen, ist gleich null. Das größte Manko jedoch, die Ausgrenzung aller Hundebesitzer, lässt mich verzweifeln.
Der folgende Text, als etwas anderes möchte ich ihn nicht bezeichnen, er ist weder Story noch ein Auszug von etwas Größerem, ist ein Ergebnis zweier Ereignisse: Zunächst gab es eine monatlich erscheinende Schreibübung im DSF. Parallel dazu hörte ich "How to Write Best-Selling Fiction“ von James Scott Bell. Das eigentlich nur, um meine Englischkenntnisse zu vertiefen.
Ich beschloss spontan, seine Ratschläge anzuwenden. Dabei kam, recht schnell und auf meine panserartige Weise, Folgendes zustande:
»Sarah, du wirst verbluten.«
Die Stimme klingt vertraut. Anders als die dumpfen Hilferufe oberhalb des Kellers.
Ich strecke meinen unverletzten Arm aus und streichle über Simbas Fell. Er schnurrt. Ich bin ihm dankbar dafür. Wie gern würde ich jetzt in seine grünen Augen sehen.
Völlige Dunkelheit. Ich kannte sie nicht so. Nun drückt sie mich nieder, treibt mich in Selbstgespräche und erstickt jeden Gedanken an Hoffnung.
Verbluten ist keine schlechte Wahl. Wie lange dauert so etwas?
Wieder dämmere ich weg, versinke dankbar in einen Halbschlaf.
Ein pfeifender Ton erklingt. Zu weit entfernt, um Erlösung zu bringen. Der Einschlag ist brutal. Die Druckwelle lässt die Reste des Gebäudes über mir erbeben. Beton zittert, Staub rieselt auf mich herab. Meine Augen brennen.
In meinem Kopf rotieren die Gedanken. Das eine Bild, unscheinbar in seiner Alltäglichkeit. Jonas und Ben, wie sie lachend in den Wagen steigen und wie Bens kleine Hand durch einen Spalt im Wagenfenster winkt.
Die erste Explosion kam kurz danach.
Der Wunsch, sie zu finden, ist stärker als Hunger und Schmerz.
Ich schraube vorsichtig die Flasche auf, träufele etwas Wasser auf den Boden zu meinen Füßen und lausche dem Schlecken des Katers. Dann nehme ich einen Schluck.
Etwas hat sich verändert. Zum ersten Mal zeichnen sich die Konturen des Kellerraums ab. Ein schmaler Lichtspalt dringt durch die staubige Luft. Ich presse die Augen zusammen, zähle bis zehn, öffne sie wieder. Simba sieht mich mit riesigen Pupillen an.
Sekunden später bricht die Hölle aus. Nichts dämpft den Lärm, es ist direkt vor mir, Dreck spritzt in mein Gesicht und ich spüre die Krallen des Katers in meiner Haut. Grelles Licht durchflutet den Raum, durch einen wallenden Staubnebel erkenne ich undeutlich den blauen Himmel.
Meine Hand sieht übel aus. Ebenso schlimm wie der pochende Schmerz in den verdrehten Fingern. Simba springt auf, macht einen Buckel und schleicht vorsichtig dem Licht entgegen. Ich folge.
Draußen ist es chaotischer, als ich es mir vorgestellt habe. Die Straße ist von der Feuersbrunst verschont geblieben; wahrscheinlich lebe ich deshalb noch. Keins der Häuser steht mehr intakt. Auf der Veranda der Barkleys liegen die Reste einer Sitzbank, vermischt mit zerrissenen Körpern. Ich beginne zu würgen, mein Hals brennt.
Jonas und Ben. Ich muss in die Stadt. Ich muss sie finden. Ohne einen weiteren Blick auf die zerschmetterten Körper meiner Nachbarn zu werfen, mache ich mich auf den Weg. Simba folgt mir. Nirgends eine lebende Seele. Meine Zunge klebt trocken am Gaumen. Meine Mundwinkel sind zu einer Fratze erstarrt.
Vor einem halb eingestürzten Haus bleibe ich stehen. Später sitze ich an einem Küchentisch. Vor mir der Kater und halb geleerte Fast-Food-Schalen. Ich habe mir eine Schlaufe um den Hals gelegt. Meine Hand ist notdürftig verbunden.
»Sarah, du wirst nicht verbluten.«
Meine Stimme klingt jetzt klarer.
In der Garage finde ich Fahrräder. Ich hantiere mit einem Einkaufskorb, beiße die Zähne zusammen. Erst als mir schwarz vor Augen wird, komme ich auf den Gedanken, nach Schmerzmitteln zu suchen.
Das Fahrrad rollt langsam über den Parkplatz. Simba hat sich im Korb zusammengerollt. Er erscheint mir so tapfer. Welches Ziel treibt ihn an?
Mein Herz schmerzt. Ich überlege, mehr Tabletten zu nehmen, lasse es.
Dann sehe ich unseren Wagen. Unverkennbar die albernen Aufkleber, die Ben so liebt. Alle Türen stehen offen. Auf dem Rücksitz zwei Einkaufstüten, ihr Inhalt im Fußraum verstreut.
Von Jonas und Ben keine Spur.
Simba richtet sich auf, springt aus dem Korb. Er hebt den Kopf, als würde er etwas wittern. Dann schaut er mich an. Der Blick aus diesen grünen Augen ist schlimmer als alles um mich herum.
Ich lehne das Fahrrad vorsichtig gegen den Kofferraum.
Die Front des Supermarkts ist unversehrt. Die Türen stehen weit offen. Der Anblick wirkt wie ein Foto. Leblos.
Ich will rufen, aber meine Stimme versagt. Der erste Schritt schmerzt. Der erste Schritt von vielen.
Mein Wille weicht. Es bleibt Abneigung. Hass.
Ich hasse die Stille. Das völlige Fehlen von Leben.
Das Jaulen des Katers ist wie ein Schlag in mein Gesicht. Sein Fell ist gesträubt. Bevor ich verstehe, dreht er sich um, schleicht einige Schritte zurück. Weg von den offenen Türen der Mall.
Dann höre ich das Motorengeräusch. Eine dieser kleinen Maschinen, auf denen die Kids so gerne fahren. Es klingt wie Musik, Tränen schießen mir in die Augen und wie hinter einem gläsernen Schleier erkenne ich endlich Bewegung.
Der Junge ist kaum älter als Ben. Er wirkt wie ein Spielzeug auf seinem Gefährt. Über seinem schmutzigen T-Shirt spannen sie die Riemen eines Rucksacks, aus dem mich zwei Katzenaugen anstarren.
»Es ist also wahr«, höre ich seine Stimme. Er zeigt auf meinen Kater. »Sie mögen keine Katzen. Glaube ich.« Er blickt scheu an mir vorbei.
»Alles kaputt. Alle sind weg. Hab sie gesehen. Diese … Dinger.« Er sagt das auf eine Weise, die nicht mehr kindlich ist. Ich bin zu verwirrt, um zu antworten.
---------------------------------------------------------
Achthundert Wörter sprengten schon den Rahmen und ich hörte auf zu schreiben. Ein eigentümliches Gefühl überkam mich. So viel Kalkül, so viel Absicht, gezielt Spannung und Interesse zu erzeugen, kam mir wie Betrug an etwas vor, das ich im Grunde nicht erfassen konnte. Meine ersten Bücher und Kurzgeschichten waren stets Ergebnisse eines hemmungslosen Schreibprozesses, der keinen Regeln unterlag.
Einige Leser versicherten mir, der Text wäre fesselnd, Sarah erzeuge Mitgefühl und dann noch Katzen. Katzen!
Ich bin ein Schuft. Alles Absicht.
Jemand verstieg sich zu der Behauptung, das wäre ein Setting für einen Roman. Mir fiel spontan dazu ein, dass es niemals funktionieren würde im Hinblick auf "Best-Selling". Zunächst, jeder Katzenbesitzer weiß doch, dass seine Schützlinge Vagabunden sind. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Stadtviertels zwei dieser herrlichen Wesen anzutreffen, die es sich in einem Transportkorb gemütlich machen, ist gleich null. Das größte Manko jedoch, die Ausgrenzung aller Hundebesitzer, lässt mich verzweifeln.