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Reale Bezüge in Fantasyromanen?

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  #1  
Alt 03.11.2019, 19:48
Benutzerbild von Cassandra
Cassandra Cassandra ist offline
Abyssus abyssum invocat
Ringtraeger
 
Registriert seit: 02.2012
Ort: Faerûn
Beiträge: 13.179
Reale Bezüge in Fantasyromanen?

Vor einiger Zeit hatte ich mit einem Autor eine Diskussion zu genau diesem Thema. Deshalb dachte ich
mir, poste ich es hier und schaue mal, was ihr dazu meint.

In Fantasy-Romanen ist die Handlung - trotz aller Originalität - oft bestimmt von ähnlichen Themen:
Intrigen, Verrat, Volk A/Gruppe A/etc. gegen Volk B/Gruppe B/etc., Liebe, hehre Ziele, die Suche nach
DEM Objekt, die Suche nach der eigenen Herkunft/Identität/etc. usw.
Natürlich sind das alles Elemente, die auch im realen Leben existieren und sicherlich eine Bedeutung
haben. Nur, es gibt noch so viele andere, die fast nie - zumindest kommt es mir so vor - Eingang in die
Fantasy-Literatur finden.

Ich will nicht darauf hinaus, dass Fantasy-Autoren sich gefälligst aller aktuellen politischen, sozialen und
gesellschaftlichen Probleme anzunehmen und diese in ihren Romanen zwecks Aufklärung zu verarbeiten
haben. Bloß ein wenig mehr Aktualität könnte meiner Ansicht nach nicht schaden.

Ein Beispiel: Homosexualität. Es gibt zwar sog. Gay-Fantasy, aber mal im Ernst: Was soll das? Wenn es
reine Pornoromane wären, die sich an schwule Leser richten, wäre das okay. Aber meistens fallen die
Romane nur deshalb in diese "Kategorie", weil die Protagonisten schwul oder lesbisch sind.
Warum kann man nicht einen Roman schreiben, in dem ein homosexuelles Paar oder ein schwuler/lesbischer
oder Trans-Charakter vorkommt, der in die Handlung eingebunden wird, ohne ein großes Trara drumherum
zu machen?
Oder aber, man - und das würde ich sogar noch mehr begrüßen - bringt das Thema Homophobie explizit auf's
Tablet. Zum Beispiel ist ein Charakter schwul und wird, nachdem das bekannt wurde, von den Leuten aus
seinem Dorf - allen voran der Priester irgendeines Kultes - vertrieben, weil seine "Neigungen" wider dem
Willen der Götter sind. Und wie geht er selbst mit seiner Verbannung um? Findet er Unterstützung und wenn
ja, von wem? Das würde ich gerne mal lesen.

Anderes Beispiel: Es gibt im Fantasy-Bereich Rassen, die andere als minderwertig bezeichnen. Darüber macht
man sich als Leser in der Regel wenig Gedanken, weil die Überzeugung vorherrscht, dass dieses Volk (z. B. Drow)
nun einmal so ist - diese Haltung anderen gegenüber "gehört nun mal zu deren Kultur" ...
Kommt dieses Argument irgendwie bekannt vor?
Hier wäre es interessant, wenn das Thema mal vertieft werden würde. Wenn sich einzelne Charaktere eingehender
damit befassen - aus Protest oder als Befürworter, also aus verschiedenen Blickwinkeln.

Natürlich gibt es noch sehr viel mehr Punkte, die man nennen könnte. Fallen euch weitere ein oder seid ihr der
Meinung, dass Fantasy auch ohne eine Vertiefung solcher "alltäglichen" Probleme auskäme?

Ich bin gespannt.
__________________

Im Feuer steckt der Funke des Chaos und der Zerstörung,
der Samen des Lebens


("Magic")

(Photo: Franz Herzog © 2004)
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  #2  
Alt 03.11.2019, 23:50
Tharael Tharael ist offline
Kobold
 
Registriert seit: 11.2019
Ort: Aya
Beiträge: 18
Nun ich denke, dass es immer auch an der Art der Fantasy liegt.
Die Bücher von George RR. Martin (Das Lied von Eis und Feuer), kann sich meiner Meinung nach jedoch einer sehr großen Leserschaft erfreuen, da er die inneren Konflikte eines Menschen gut beschrieben hat und die Natur dessen was er ist. Sprich ein Mensch ist nicht nur, nur gut und nicht nur böse. Er hat dunkle, sowie helle Seiten und jede seiner Entscheidungen ist geprägt durch seine Vergangenheit.
Ich stimme dir dahingehend zu, dass mehr ''innere Konflikte'' behandelt werden sollten. Wir sollten weg von dem Gedanken der Fantasy bei dem es nur um Gut und Böse, einen dunklen Herscher hier, einen Drachen dort geht. Fantasy könnte ebenso lehrreich sein, wenn man die unterschiedlichen Konflikte der Neuzeit (Themen wie Rassismus/Homosexualität etc.) genauer beleuchtet und aus unterschiedlichen Sichtweisen darstellt. Dies würde mehr Toleranz erzeugen und ich denke mehr Leser ansprechen, da man sich einfach direkter mit der Thematik befassen möchte, weil Rassismus z.B. uns alle betrifft und wir ihm fast täglich begegnen (Leider).
Ich bin auch immer sehr interessiert an den Werken junger Autoren und deren Schreibstil, der unbekümmert wirkt und auch neuer gestaltet ist. Dadurch kommt auch wieder ein ganz anderes Feeling beim Lesen aus und man hat eine andere Vorstellung einer fiktiven Welt.
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  #3  
Alt 04.11.2019, 00:00
Benutzerbild von Valas
Valas Valas ist offline
Super Moderator
Eroberer des Universums
 
Registriert seit: 02.2009
Ort: Menzoberranzan
Beiträge: 2.520
Zitat:
Anderes Beispiel: Es gibt im Fantasy-Bereich Rassen, die andere als minderwertig bezeichnen. Darüber macht
man sich als Leser in der Regel wenig Gedanken, weil die Überzeugung vorherrscht, dass dieses Volk (z. B. Drow)
nun einmal so ist - diese Haltung anderen gegenüber "gehört nun mal zu deren Kultur" ...
Kommt dieses Argument irgendwie bekannt vor?
Hier wäre es interessant, wenn das Thema mal vertieft werden würde. Wenn sich einzelne Charaktere eingehender
damit befassen - aus Protest oder als Befürworter, also aus verschiedenen Blickwinkeln.

Ist meiner Meinung nach nicht unbedingt notwendig. Es wird meist kurz umrissen oder ist eh allgemein bekannt, warum manche Rassen sich für besser als andere halten, oder alle Rassen außer ihre eigene als Minderwertig ansehen. Bei Elfen z.B ist es in vielen Romanen so, und im Prinzip weiß ja eig. jeder, warum. Weil sie besser aussehen als Menschen, länger leben als sie, oder mehr wissen weil sie älter sind etc. Das braucht man eigentlich nicht näher zu beleuchten.

Natürlich ist das manchmal nervig (wenn zu übertrieben) und auch unfair anderen Rassen gegenüber, aber oft gibt es auch Romane, wo die Elfen gar nicht so sind, oder - wie bei Menschen im realen Leben auch - es solche und solche gibt, und eben nicht jeder einzelne Drow, Elf oder was auch immer gleich ist. Von daher stört mich das nicht sonderlich. Auch wenn vieles einen Bezug zum realen Leben hat, ist es trotzdem noch Fantasy. Von daher nehme ich in der Hinsicht nichts "persönlich".
__________________
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Geändert von Valas (04.11.2019 um 00:08 Uhr)
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  #4  
Alt 04.11.2019, 00:48
Benutzerbild von Cassandra
Cassandra Cassandra ist offline
Abyssus abyssum invocat
Ringtraeger
 
Registriert seit: 02.2012
Ort: Faerûn
Beiträge: 13.179
Zitat:
Zitat von Tharael Beitrag anzeigen
Ich stimme dir dahingehend zu, dass mehr ''innere Konflikte'' behandelt werden sollten. Wir sollten weg von dem Gedanken der Fantasy bei dem es nur um Gut und Böse, einen dunklen Herscher hier, einen Drachen dort geht. Fantasy könnte ebenso lehrreich sein, wenn man die unterschiedlichen Konflikte der Neuzeit (Themen wie Rassismus/Homosexualität etc.) genauer beleuchtet und aus unterschiedlichen Sichtweisen darstellt. Dies würde mehr Toleranz erzeugen und ich denke mehr Leser ansprechen, da man sich einfach direkter mit der Thematik befassen möchte, weil Rassismus z.B. uns alle betrifft und wir ihm fast täglich begegnen (Leider).
Stimmt, der innere Konflikt - der durchaus auch sehr komplex sein kann - wird bei Martin (manchmal zwar arg
ausufernd) recht gut thematisiert. Etwas, das ich bis dahin in nur einer Handvoll Romanen gefunden habe.

Dass Fantasy nicht der Unterhaltung dienen, sondern auch lehrreich sein bzw. zum Nachdenken anregen kann
und soll - ja, das ist etwas, wovon ich überzeugt bin (und nicht nur im Zusammenhang mit dem Fantasy-Genre).
Auch könnte ich mir gut vorstellen, dass die Aufarbeitung dieser Themen innerhalb eines gut geschriebenen
Romans - solange das Ganze nicht mit der Moralkeule daherkommt - eher jemanden erreicht, als wenn die
Diskussion im Fernsehen im Rahmen z. B. einer Talkshow geführt werden würde.

Zitat:
Zitat von Tharael Beitrag anzeigen
Ich bin auch immer sehr interessiert an den Werken junger Autoren und deren Schreibstil, der unbekümmert wirkt und auch neuer gestaltet ist. Dadurch kommt auch wieder ein ganz anderes Feeling beim Lesen aus und man hat eine andere Vorstellung einer fiktiven Welt.
Das ist richtig. Ich arbeite immer wieder mit Autoren zusammen, die verstärkt eigene Impulse in ihren Romanen
unterbringen und oft mit althergebrachten "Traditionen" brechen.
Leider fallen sie damit aus dem Mainstream heraus und haben es oft schwer, einen Verlag zu finden. Aber ich
habe die Hoffnung, dass sich diese innovativen Autoren in Zukunft durchsetzen und die Literaturszene neu beleben
werden. Hoffnung stirbt zuletzt. Hoffe ich zumindest. ^^

Zitat:
Zitat von Valas Beitrag anzeigen
Ist meiner Meinung nach nicht unbedingt notwendig. Es wird meist kurz umrissen oder ist eh allgemein bekannt, warum manche Rassen sich für besser als andere halten, oder alle Rassen außer ihre eigene als Minderwertig ansehen. Bei Elfen z.B ist es in vielen Romanen so, und im Prinzip weiß ja eig. jeder, warum. Weil sie besser aussehen als Menschen, länger leben als sie, oder mehr wissen weil sie älter sind etc. Das braucht man eigentlich nicht näher zu beleuchten.

Natürlich ist das manchmal nervig (wenn zu übertrieben) und auch unfair anderen Rassen gegenüber, aber oft gibt es auch Romane, wo die Elfen gar nicht so sind, oder - wie bei Menschen im realen Leben auch - es solche und solche gibt, und eben nicht jeder einzelne Drow, Elf oder was auch immer gleich ist. Von daher stört mich das nicht sonderlich. Auch wenn vieles einen Bezug zum realen Leben hat, ist es trotzdem noch Fantasy. Von daher nehme ich in der Hinsicht nichts "persönlich".
Ich bin mir nicht sicher, glaube aber, dass Du mich nicht ganz verstanden hast. Mir ging es darum, dass z. B.
Vorbehalte gegenüber "den Ausländern" oder generell Vorurteile die oft mit "ist halt deren Kultur" daherkommen,
ein Problem darstellen, das in der Fantasy-Literatur so gut wie nie thematisiert wird.

Und wenn, dann wird auch hier dahingehend argumentiert, dass dieses und jenes Volk eben so ist, weil, ist halt
deren Kultur ... Hier gibt es, meiner Meinung nach, Nachholbedarf bzw. die Gelegenheit, aktuelle Probleme der
realen Welt in der fiktiven aufzuarbeiten (oder es zumindest zu versuchen).
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Geändert von Cassandra (04.11.2019 um 00:54 Uhr)
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  #5  
Alt 04.11.2019, 17:10
Benutzerbild von Irminsul
Irminsul Irminsul ist offline
Yavalar
Vampirjaeger
 
Registriert seit: 01.2017
Ort: Hessen
Beiträge: 383
Das ist ein interessantes Thema, Cassandra.

Ich denke, Rassismus wird in so einigen Buchreihen schon thematisiert, mal weniger, mal mehr, ganz wie es zu der Geschichte passt.

Bei Game of Thrones gibt es ja viele unterschiedliche Völker und reichlich Konflikte. Vor allem die Lennisters z. B. halten sich für etwas Besseres als die anderen Bewohner der Sieben Königslande, besonders auf die im Norden schauen sie herab. Die Völker des Nordens hingegen haben Vorurteile gegenüber denen, die jenseits der Mauer leben. Erst Jon Schnee geht neue Wege, weil er die Unterstützung des Freien Volkes braucht.
Die Völker von Essos zählen für die aus den Königslanden schon mal gar nicht. Unterdrückung anderer Völker, Machtstreben und rassistische Tendenzen sind bei George R.R. Martin also schon ein wichtiges Thema.

Ein anderes großes Thema bei GoT ist religiöser Fanatismus. Ich finde es gut, dass Martin auch diese Problematik in seine Bücher mit aufgenommen hat. Denn das hat es schon zu allen Zeiten gegeben und wir erleben das auch heute gerade wieder.

Aber egal, ob rassistische Tendenzen, religiöser Wahn, Homophobie oder andere Weltanschauungen, die Menschen, die 'anders' sind, ausgrenzen wollen - es ist ein immer aktuelles Thema und ich finde es gut, dass einige Fantasyautoren dem auch in ihren Büchern gerecht werden.

Wer mir da übrigens noch einfällt, ist J.K. Rowling. Sie sagte mal in einem Interview, dass sie bei der Figur ihres Oberbösewichts Voldemort an Hitler und seine Ideologie gedacht hat. Für ihn zählen nur reinblütige Zauberer; Muggel, (Haus-) Elfen und andere Wesen wie Werwölfe, Riesen u.a. sind für ihn nur Mittel zum Zweck. Interessant ist hierbei auch, dass Voldemort sogar Halbblüter wie Harry oder Snape, als minderwertig ansieht. Snape braucht er jedoch als Spion, Harry ist eine Gefahr für ihn, also muss der weg. Interessant ist das Ganze aber besonders aus dem Grund, weil Voldemort selbst auch ein Halbblut ist.
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