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Sublime Botschaften

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  #1  
Alt 22.07.2016, 13:45
Benutzerbild von Formorian
Formorian Formorian ist offline
Dunkler Wanderer
Drachentoeter
 
Registriert seit: 11.2011
Beiträge: 1.156
Sublime Botschaften

Habe mich gerade zum Opfer der wohlwollenden Gesundheitswächter in diesem Lande gemacht. Aus freien Stücken.
Eben habe ich eine neue Dose Tabak hergenommen, um sie anzubrechen. Gleich auf der Außenhülle sprang mir ein grellfarbiges Foto ins Auge: Das Portrait einer gequält wirkenden Frau, die sehr kamerawirksam in ein kunstvoll rotbetupftes Taschentuch hustet (Sex sells mal anders ). Der Deckel schreit mir entgegen, dass Rauchen generell tötlich sei. Ich reiß ihn ab, und auf der Innenseite werde ich freundlicherweise darüber aufgeklärt, dass Tabakrauch 70 erwiesenermaßen krebserzeugende Substanzen enthält.
Super, das wird ein Genuss werden ...
Ich will nun gar nicht auf den heuchlerisch schizoiden Irrsinn herumreiten, weshalb Tabak dann noch immer legal verkauft werden dürfe, noch auf die katastrophalen Auswirkungen für die Volkswirtschaft hinweisen, die ein generelles Rauchverbot zwangsläufig nach sich zögen. Dies wurde anderorts zur Genüge durchgekaut. Nein, es geht mir hier um den gesellschaftlich sanktionierten Wahnsinn gewisser Gutmenschenlobbys, der Gutes will und Böses schafft.
Wie ich es sehe, dürfen wir uns alle auf ein sprunghaftes Ansteigen der allbekannten Raucherkrankheiten freuen. Dies geschah (ebenso erwiesenermaßen, jaja) bereits nach Einführung der kleinen grauen Warnhinweise auf den Päckchen, Schachteln und Dosen des Krautes. Doch nun sind die Waffen schärfer geworden, der Angriff direkter und schwerer zu parieren.
Überzeugte Schmaucher mögen die Warnungen bewusst ignorieren, doch das Gift wird sie dennoch erwischen. Und damit meine ich nicht etwa all die gesundheitsschädigenden Stoffe des Tabaks, sondern die tötliche Wirkung solcher Botschaften, die sich im Unterbewussten des Opfers festsetzen und sich dort an ihr verderbliches Werk machen wie die Heinzelmännchen ans Brezelbacken. Ein Entkommen ist nicht vorgesehen.
Erzählt man einem Autofahrer während der Fahrt ununterbrochen, wie gefährlich all sein Tun eigentlich ist, macht man ihn dann damit zu einem sicheren Fahrer oder redet man den Unfall nicht regelrecht herbei?
All sein besseres Wissen (tatsächlich vorhanden oder eingebildet) nützen dem Raucher nichts, die zerstörerischen Inputs werden dafür sorgen dass er sich nach jedem Griff zur Kippe schuldig fühlt, sich selbst gegenüber und den Menschen um ihn herum, sein Unbewusstes wird ihn zu der Überzeugung bringen, unrettbar krank zu sein. Und er mag noch so sehr über die dummen Warnungen lachen, sein Körper wird sich dem fügen, was sein Geist ihm ungewollt mitteilt. Auch fromme Vorsätze nützen ihm nichts, wenn sie negativ formuliert werden. Denn das Unbewusste ignoriert Negativformulierungen und macht aus einem strammen "Ich will nicht mehr rauchen!" im Handumdrehen "Ich will mehr rauchen!" Kein Witz, so tickert unsere Denkkiste tatsächlich.
Ob es die selbsternannten Gesundheitsapostel wohl freut, dass ihr Treiben mal wieder dazu führte, dass ein Mensch weniger in Deutschland raucht, der die Gesundheitskassen nicht länger belastet (von dem aber auch kein Steuerbeitrag mehr kommt?)?
Kennt Ihr ähnliche Anwendungen sublimer Botschaften und ihre Auswirkungen? Nur her damit.
__________________
Die klügsten und kreativsten Menschen werden von den phantasielosesten Vollpfosten niedergeschossen.

Geändert von Formorian (22.07.2016 um 13:48 Uhr)
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  #2  
Alt 22.07.2016, 16:56
Benutzerbild von Cassandra
Cassandra Cassandra ist gerade online
Abyssus abyssum invocat
Ringtraeger
 
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Ort: Faerûn
Beiträge: 10.786
Nun ja, was soll ich sagen ... Ich bin zwar selbst Nicht-Raucher, hatte aber nie ein Problem mit Rauchern - mit militanten Nicht-Rauchern hingegen schon.
Wie muss man drauf sein, um ein Bild zigtausendfach auf Schachteln zu kleben, auf denen ein weinendes Kind am Sarg seines Papas oder wahlweise seiner
Mutter steht? Fast meint man, hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht oder es wird versucht, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben ...
Die psychologische Komponente ist auch so ein Aspekt für sich, aber den hat unser Meister ja bereits auf's vortrefflichste auf den Punkt gebracht.

Zigaretten-Werbung ist sicherlich das ein- bzw. aufdringlichste Beispiel, ansonsten fällt mir auf Anhieb diverse vergleichende Werbung ein: Man sieht eine
durchschnittliche Frau, mit Einheitsfrisur, 08/15-Visage und nerviger Stimme, die irgendein No-Name-Produkt benutzt, das dem empfänglichen Zuschauer
ihr völliges Versagen als Mutter, Ehefrau, Angestellte und/oder Hausfrau vor Augen führt - in der Regel wird das unterstrichen durch das panische
aus-dem-Haus-Laufen der Familie, dem Augenverdrehen des Vorgesetzten und den mitleidigen Blicken von Kollegen oder Nachbarn.
Dieser Niete wird nun eine junge, dynamische, intelligente, gut aussehende Frau gegenübergestellt, die DAS ultimative und einzig richtige Produkt benutzt.
Der Unterschied: Sie ist allseits beliebt, Familie und Kollegen liegen ihr zu Füßen. Tod den Versagern, ein Hoch auf die Galeonsfiguren der Werbeindustrie.
Gesetzt den Fall, hier würde die Psychologie ebenso funktionieren, wie bei der Zigarettenwerbung, dann würde es denjenigen, die vielleicht das Geld für
besagtes Produkt nicht haben, einen gesalzenen Minderwertigkeitskomplex einimpfen sowie die Erkenntnis, eine schlechte Mutter, Ehefrau, was auch immer
zu sein ...

Allerdings fällt das obige Beispiel nicht ganz in das Gutmenschen-Schema, sondern passt eher in die Kategorie "es lebe die Gesellschaftskonformität".
Wobei es durchaus problematisch werden könnte, wenn es sich um Produkte für Kinder und Jugendliche handelt. Siehe hierzu KLICK.

Aber zu Zigaretten-Werbung fällt mir noch etwas ein: Warum drucken wir nicht ähnliche Bildchen auf Bier- und Wodka-Flaschen - Autounfälle mit Jugendlichen
gibt's doch massenweise und ebenso viele Bilder müssten doch existieren. Und: Bei jedem Vertragsabschluss für ein Auto gibt's ein Tütchen Fotos der aktuellsten
Unfallopfer gratis mit dazu.
Oder: Es gibt 10 % Rabatt beim Kauf eines Neuwagens, wenn der Besitzer sich bereiterklärt, eines oder mehrere Bildchen an den Rückspiegel zu pappen.

So viele Möglichkeiten. Dem sadistischen Voyeurismus im Kleide der Rechtschaffenheit sind keine Grenzen gesetzt ... Vielleicht fällt mir ja noch mehr ein.
__________________

Im Feuer steckt der Funke des Chaos und der Zerstörung,
der Samen des Lebens


("Magic")

(Photo: Franz Herzog © 2004)
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  #3  
Alt 22.07.2016, 20:27
Benutzerbild von Formorian
Formorian Formorian ist offline
Dunkler Wanderer
Drachentoeter
 
Registriert seit: 11.2011
Beiträge: 1.156
Ach ja, die gute alte Dumpfhammerwerbung
Laut Gesetz ist es ja verboten, in den Spots bewusst Lügen zu verbreiten. Was aber nicht heissen muss, dass der reinen heren Wahrheit gehuldigt werden müsste. Die Lösung sind simple Psychotricks, die den potentiellen Kunden dazu bringen sollen, sich selbst die Taschen voll zu lügen. Ein Beispiel aus einem (älteren) Deichmann - Spot:

Offenbar schwer gestörter Typ: "Kaum zu glauben: Echte Gracelands nur 19,95!"
Wissend lächelnde junge Dame: "Ja, bei Deichmann."

Hat die Lady also wertvolle Markentreter zum Spottpreis bei besagtem D. abgegriffen? Iwo. Es handelt sich um eine typische Billigmarke, die es ohnehin nur dort gibt und der Preis war noch nie ein anderer. Die vor Erwartungshaltung überbordende Phantasie der Kundschaft kann man dem Werbefuzzi ja kaum zum Vorwurf machen, oder?

Die wohl populärste und umstrittenste Methode, sublime Botschaften unters Volk zu bringen, wäre wohl das Backward Masking. Dies sind Stellen auf Vinylls oder Videos, die rückwärts abgespielt plötzlich einen völlig neuen Sinn ergeben sollen(eben die versteckte, vom Unbewussten aber begierig aufgenommene Botschaft, die dazu führt dass wir uns nach dem täglichen Einkauf im Supermarkt zu hause plötzlich fragen, was zum Teufel uns dazu brachte diese kitschigen Häkeltopflappen oder eine 1000er Packung Pfeifenreiniger zu kaufen). Geschickt in der Dudelberieselung im Kauftempel versteckt schlägt sie ohne Warnung zu, und wir bemerken es nicht einmal, soll heissen unser normales Alltagsbewusstsein bemerkt es nicht.
Regelrechten Kultstatus hat die Jagd nach B.M. in den US of A, besonders wenn es um angebliche satanistische Botschaften auf Rockplatten geht. Solche zweifelhaften Funde führten schon dazu, dass Alben boykottiert wurden und waren tatsächlich bereits Grundlage echter Gerichtsprozesse (Refrain: Das gibt es nur in TEXAS).
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