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Selbstmord: feige? Mutig? Eine Lösung?

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  #161  
Alt 31.01.2019, 21:33
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_drachenkind _drachenkind ist offline
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Drachentoeter
 
Registriert seit: 01.2019
Beiträge: 1.464
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Zitat von Skyline Beitrag anzeigen
Achtung langer Text! Wer nicht lesen will sei hiermit gewarnt!

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her das sich mein Cousin entschlossen hat sein Leben selbst zu beenden........................................... ....................Ich bedauere zutiefst das ich für so viele nicht Hilfreich sein kann.
Im Endeffekt geht es darum, das man einfach nur da sein soll.
Das Niemand allein sein muss.
Wir können uns nur begleiten im Leben.
Wo dieser Weg dann hin führt, ist einem selbst überlassen.
Aber füreinander da zu sein und versuchen das Lachen in die "Welt" zu bringen ist alles.

Traurig. Das Leben ist einfach nicht fair. Niemand kann wählen, wann/wo/wo hinein oder womit er oder sie geboren wird. Bin ganz bei dir, was das Dasein füreinander betrifft. Vieles kann, nichts muss. Manches sollte :) Wo wären wir ohne "einander" !
__________________
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  #162  
Alt 31.01.2019, 21:43
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Skyline Skyline ist offline
Sylphe
Einhorn
 
Registriert seit: 12.2005
Beiträge: 3.427
Zitat:
Zitat von _drachenkind Beitrag anzeigen
Traurig. Das Leben ist einfach nicht fair. Niemand kann wählen, wann/wo/wo hinein oder womit er oder sie geboren wird. Bin ganz bei dir, was das Dasein füreinander betrifft. Vieles kann, nichts muss. Manches sollte :) Wo wären wir ohne "einander" !
Ja das denke ich auch
__________________
>>"Die Träume der Menschen können manchmal den Himmel erzittern lassen, vorrausgesetzt das sie sich gegenseitig ergänzen.
Aber wenn sich die Träume gegenseitig abstoßen, entsteht in den Herzen derer, die weiter daran festhalten Angst und Hass!"<<
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  #163  
Alt 07.05.2019, 19:01
Hunin Hunin ist offline
Kobold
 
Registriert seit: 05.2019
Beiträge: 10
Schweres Thema. Aber ich ein bisschen Erfahrung damit, weil sich einige Freunde von mir und auch Bekannte umgebracht haben.

Ja, Plural. Klingt heftiger als es ist.

Es klingt doof - aber es ist in so fern eine Lösung, dass der Zustand nicht mehr so ist wie er vorher war.
Ob es eine gute Lösung ist, steht auf einem anderen Blatt.

Das einzige, was die Leute dich kannte, alle gemeins hatten, dass sie in dieser Situation keine Perspektive mehr hatten.
Das war deren persönlicher Eindruck.

Deswegen finde ich es nicht in Ordnung das in Mutig - oder Feige zu unterteilen.
Weil es ungerecht ist. Es gibt Menschen denen passiert so viel Leid, dass die eine posttraumatische Störung haben, wie Soldaten, die ihr Leben auf eine ganz andere Art und Weise wahrnehmen.
Und diesen Leuten einfach zu sagen: Du bist feige.
Das ist anmaßend, weil die haben etwas zu tragen, das kann man von außen nicht nachvollziehen und es ist manchmal ein Wunder, dass die trotzdem weiter machen.

Ich denke daher Perspektive ist das wichtigste.
(Ich habe von den Fällen hier gelesen, die einige schreiben und ich finde es steht mir nicht zu, dazu was zu sagen, hier, am ersten Tag).

Selbst wenn man meint es geht nichts mehr. Es geht (fast immer) was.
Ich würde daher eher sagen. Selbstmord ist eine Perspektive die einem logisch scheint, weil man seine Perspektive nicht verändert.
Also Selbstmord scheint die schnellste Perspektive oder einfachste Perspektive.
Daher also wenn man in der Situation ist, scheint es wie der einfachste Weg.
Scheint. Weil es muss nicht der einfachste sein. Wenn man seine Perspektive verändert, kann ein Weg den man vorher gar nicht gesehen hat sich einem offenbahren und der ist noch viel einfacher.

Eine reale Geschichte dazu.
Eine Mann, kam aus einem Horror-Elternhaus. Mit 16 rausgeworfen, Jugendamt, zurück, sobald die weg wahren, Vater die Haustür abgeschlossen.
Keine Hilfe. Jugendamt sagte ihm immer nur: Zu einem Streit gehören zwei.
Der hat dann zwar einen Job gekriegt und machte auch weiter, Freundin hat ihn blöd behandelt, bester Kumpel auch.
Auf jeden Fall der war auch richtig fertig und wusste nicht ein und aus.
Und ich sagte zu ihm: Weißt du, wenn deine Eltern eines Tage sterben, erbst du als einziges Kind. Und du musst dafür gar nichts tun, weil das passiert eines Tages von selbst. Leb dein Leben.

Dieser Satz war für den wie eine Offenbahrung. Darüber hatte der nie nachgedacht und hatte immer nur die schrecklichen Erinnerungen im Kopf. Der hat darauf hin von seinem vorhaben abgelassen etc.
Und das meine ich halt mit: Manchmal gibt es eine Perspektive die ist noch viel einfacher, man muss sie nur finden.

Aber mit Mut oder Feigheit hat das für mich nichts zu tun.
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  #164  
Alt 24.05.2019, 16:43
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Danjana Danjana ist offline
Ritter der Tafelrunde
 
Registriert seit: 05.2019
Beiträge: 86
Vor vielen Jahren, auf dem Höhepunkt meiner Depression, habe ich auch versucht, mir das Leben zu nehmen. Das schwarze Schaf der Familie, für das sich alle geschämt haben, keine Arbeit, meine Kinder waren mir aufgrund meiner Erkrankung vom Amt weggenommen worden, keine Freunde, was sollte ich noch auf der Welt? Gab ja eh keinen, der mich vermisst hätte. Und meiner Kinder waren ja ganz gut untergebracht.Warum also die Welt nicht von mir erlösen? Dann bräuchte sich auch niemand mehr für mich zu schämen.
Also hab ich Tabletten genommen. Aber genau in dem Moment, nachdem ich das getan hatte, erwachte wohl mein Überlebensinstinkt. Also bin ich nach draußen gegangen, denn wenn die Tabletten wirken sollten, wären da Menschen, die mir helfen würden. Mich ins Krankenhaus bringen oder so. Zum Glück ist gar nichts passiert, war wohl eine zu geringe Menge.
Aber das war der Moment, wo ich aufgewacht bin. Okay, mein Leben war sch..., aber ich hatte etwas, wofür es sich lohnte, weiter zu leben, zu kämpfen. Meine Kinder.Die wollte ich doch wieder haben.
Ich denke, dass es im Grunde meine Kinder waren, die mir damals das Leben gerettet haben. Hätte es sie nicht gegeben, hätte ich es vielleicht noch mal versucht mit dem Suizid. So aber habe ich mich am nächsten Tag selbst einweisen lassen. Bis ich die Depression überwunden hatte, dauerte es mehrere Jahre, aber es hat sich gelohnt.
Suizid entsteht meiner Meinung nach immer aus Verzweiflung. Man kann einfach nicht mehr. Und nicht alle haben einen allerletzten Halt wie ich.

Es gibt ja den "schönen" Spruch: Wer davon redet,oder damit droht, sich umzubringen, der macht das sowieso nicht!" Drachenkacke!!! Für mich ist das ein eindeutiges Warnsignal, ein Hilfeschrei, den man nicht unbeachtet lassen darf.

Wer eine Depression hat, der sieht auch oft keine Perspektiven mehr, für den gibt es nichts Gutes, die Welt ist schwarz und wird nie mehr hell. Weil man aufgrund der Erkrankung nicht glauben kann, dass es besser werden könnte. Es gibt nichts Gutes mehr, was kommen könnte. Das ist das tückische daran. Da kann man noch so oft zu hören kriegen, dass alles wieder gut wird, man kann daran nicht glauben, auch nicht, wenn man möchte. Dafür braucht man Hilfe. Von Profis.
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  #165  
Alt 24.05.2019, 16:50
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Drachentoeter
 
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Zitat von Danjana Beitrag anzeigen
...Dafür braucht man Hilfe. Von Profis.

True. Man kann (oder sollte?) niemanden zwingen, sich helfen zu lassen. Hilfe suchen? Vielleicht. Hilfe annehmen? Ganz andere Sache.
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  #166  
Alt 24.05.2019, 17:00
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Danjana Danjana ist offline
Ritter der Tafelrunde
 
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Ich wage es, dir zu widersprechen. Manchmal muss man jemanden zwingen, sich helfen zu lassen. Wenn jemand, sen du liebst, so verzweifelt ist, dass er sich umbringen will, würdest du dann nicht handeln? Diesen Menschen notfalls zwangseinweisen lassen?
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  #167  
Alt 24.05.2019, 18:53
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Drachentoeter
 
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Das kommt sehr drauf an, was ich rechtlich gesehen tun kann. Und selbst eine Zwangseinweisung gewährleistet noch nicht, dass sich person X öffnet und wildfremden Leuten zu vertrauen beginnt, die bei Krankheit oder Perspektive helfen können.
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  #168  
Alt 24.05.2019, 22:25
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Ich wage es, dir zu widersprechen. Manchmal muss man jemanden zwingen, sich helfen zu lassen. Wenn jemand, sen du liebst, so verzweifelt ist, dass er sich umbringen will, würdest du dann nicht handeln? Diesen Menschen notfalls zwangseinweisen lassen?
Ich glaube, dass es letztlich auf den Grund ankommt. Eine schwere Krankheit, fällt mir da zum Beispiel ein. Ich denke,
dass es richtig, Sterbehilfe nicht zu legalisieren, weil das vermutlich früher oder später Missbrauch Tür und Tor öffnen
würde.

Auf der anderen Seite kann ich aber auch Menschen verstehen, die ohne Hoffnung auf Genesung nur noch dahinvege-
tieren, Schmerzen haben usw., und nun beschließen ihrem Leben ein Ende zu setzen.
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Im Feuer steckt der Funke des Chaos und der Zerstörung,
der Samen des Lebens


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  #169  
Alt 25.05.2019, 00:30
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Drachentoeter
 
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Zitat:
Zitat von Cassandra Beitrag anzeigen
Ich glaube, dass es letztlich auf den Grund ankommt. Eine schwere Krankheit, fällt mir da zum Beispiel ein. Ich denke,
dass es richtig, Sterbehilfe nicht zu legalisieren, weil das vermutlich früher oder später Missbrauch Tür und Tor öffnen
würde.

Auf der anderen Seite kann ich aber auch Menschen verstehen, die ohne Hoffnung auf Genesung nur noch dahinvege-
tieren, Schmerzen haben usw., und nun beschließen ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Was Sterbehilfe betrifft: Nur ein Wort, "Würde". Da muss man nicht viel heucheln (damit meine ich jetzt niemanden hier direkt). Wer schmerzfrei gehen möchte und das bei vollem Bewusstsein auch so kommuniziert, soll meinetwegen noch geprüft werden (um zu checken, obs wirklich der Wille ist). Aber dann? Ganz ehrlich, wir entscheiden, zu Leben. Warum nicht entscheiden, zu sterben? Kontrolliert und völlig friedlich?? Sowas zu verbieten finde ich doch fraglich und es reicht mir nicht, "Missbrauch" als Ausrede hinzustellen. Es gibt unzählige Fälle, Situationen und Bereiche, in denen Missbrauch für jeden möglich ist. Dennoch gibt Kraftfahrzeuge, Frei verkäufliche Messer und Gegenstände, die sich fast schon besser zum Töten eignen als Schusswaffen. Überall droht Missbrauch. Aber die Würde des Menschen ist ... offenbar verhandelbar.
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  #170  
Alt 25.05.2019, 00:45
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Ich weiß, was Du meinst. Bei "Missbrauch" dachte ich allerdings zum Beispiel an Folgendes:
Es gibt nicht immer das klassische "liebende Umfeld" - manchmal haben Angehörige einfach keinen Bock
mehr auf die Pflege ihrer schwerkranken Familienmitglieder. Oder weniger krass formuliert: Pflege von zu
Hause aus kann eine immense Belastung darstellen. Ich musste das für mehr als ein Jahr mitmachen und
weiß mit Sicherheit, dass ich das nie wieder tun werde.

Was aber ist, wenn diese Kranken - obwohl keine Heilung in Aussicht ist - nicht sterben wollen oder können?
Aus was für Gründen auch immer. Und nun liegen ihnen ihre Angehörigen den ganzen Tag über mehr oder
weniger direkt in den Ohren, wie teuer, zeitraubend usw. die Pflege ist, wie egoistisch der Kranke doch sei,
seiner Familie so dermaßen auf der Tasche zu liegen etc.
Ich glaube, der Druck, der auf einem Kranken lastet, könnte irgendwann so groß sein, dass er sich aufgrund
von Schuldgefühlen für den Tod entscheidet, obwohl er selbst noch gar nicht bereit dafür ist.
Oder: Die Versuchung, dem Leben eines Angehörigen legal ein Ende setzen zu lassen, ist extrem groß, wenn
die Belastung irgendwann den Siedepunkt erreicht.

Die nächste Frage wäre: Was ist mit Schwerbehinderten? Ich meine solche, die nur noch "atmendes Fleisch"
sind, sich nicht um sich selbst kümmern können und ihr ganzes Leben lang eine rund-um-die-Uhr-Pflege
benötigen? Die niemandem mehr etwas "nutzen"?
Wir hatten schon einmal Euthanasie - wer sagt, dass sie nicht erneut eingeführt werden könnte? Und das gilt
dann auch für solche, die nicht behindert geboren wurden, sondern es z. B. aufgrund eines Unfalls wurden.

Natürlich glaube ich nicht, dass solche Szenarien über Nacht Realität werden. Aber eben so nach und nach -
sobald man die Tür in diese Richtung geöffnet hat, und sei es nur einen Spalt, ist es bloß eine Frage der Zeit,
wann sie wahr werden könnten.

Du darfst auch nicht vergessen, dass die Leistungen der Krankenkassen in den kommenden Jahren vermutlich
auch nicht mehr das sein werden, was sie früher einmal waren. Wahrscheinlich werden wir irgendwann immer
mehr selbst bezahlen müssen (siehe z. B. USA).
Und wenn dann jemand pflegebedürftig wird - aufgrund von Geburtsfehlern, Krankheit, Unfall etc.-, aber kein
Geld hat bzw. die Angehörigen über keine entsprechenden Mittel verfügen - und dann haben wir aber auf der
anderen Seite die Möglichkeit der legalen Sterbehilfe ... Das würde mir Angst machen.
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  #171  
Alt 25.05.2019, 00:57
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Ort: Faerûn
Beiträge: 12.301
So, ein neuer Post, sonst wird der andere zu lang. ^^

Aus oben genannten Gründen bin ich also gegen legalisierte Sterbehilfe.

ABER: Ich kann verstehen, wenn der jeweils Einzelne anders darüber denkt. Und ich weiß zum Beispiel auch
nicht, wie ich mich verhalten würde, wenn mich ein guter Freund um Hilfe bittet, weil er unheilbar krank ist,
nur noch leidet, aber ihm die Sterbehilfe verweigert wird.

Es ist ein schwieriges Thema, und ich denke, dass man indivduell und nicht staatlich sanktioniert entscheiden
sollte - im Bewusstsein der Verantwortung, die man damit übernimmt.
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  #172  
Alt 25.05.2019, 01:15
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Noch ein letzter Post zu dem Thema:

Ich denke, wir sollten unseren Admin fragen, ob man dieses Thema hier evtl. mit einem "Vorsicht - kann triggern"
o. Ä. versehen könnte. Einige Beiträge haben es nämlich mächtig in sich, und man weiß nie, wer das hier liest.

Oder kannst Du das, Boss? Vielleicht ein Zusatz bei der Überschrift oder so?
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  #173  
Alt 25.05.2019, 07:35
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_drachenkind _drachenkind ist offline
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Drachentoeter
 
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Ich weiß, was Du meinst. Bei "Missbrauch" dachte ich allerdings zum Beispiel an Folgendes:
Es gibt nicht immer das klassische "liebende Umfeld" - manchmal haben Angehörige einfach keinen Bock
mehr auf die Pflege ihrer schwerkranken Familienmitglieder. .....................Oder: Die Versuchung, dem Leben eines Angehörigen legal ein Ende setzen zu lassen, ist extrem groß, wenn
die Belastung irgendwann den Siedepunkt erreicht.
Da sind wir uns im Grunde einig. Was ist mit Kindern, die einfach in Internate oder andere Einrichtungen "abgeschoben" werden? Oder mit Verwandten, die regelrecht entmündigt und eingewiesen werden? Oder mit Verwandten, die ins nächst mögliche Heim gesteckt werden, weil sie angeblich schon zu alt für selbstständiges Leben sind? Oder, oder, oder ...


Sehr ähnliche Situation. Da entscheidet jemand über den weiteren Verlauf deines Lebens und falls sich genug zusammentun, klappt es meistens auch dann, wenn du offensichtlich widersprichst!


Sterbehilfe: Wie gesagt, es sollte dann in jedem Einzelfall geprüft werden. Das ist leider aufwendig und allein deshalb wirds vermutlich nicht allzubald dazu kommen. Was ist mit Mobbing, wo Menschen aller Altersklassen buchstäblich bis zum Tod getrieben werden? Natürlich entscheiden sie letztendlich selbst, dass sie sterben wollen (oder ist das gar keine Entscheidung ... )


Was ist mit der Propaganda von Staaten und Regierungen, die so lange lügen, bis sie haben, was sie wollen? Das Prinzip von Missbrauch ist in so umfassendem Maß am Laufen, dass ich kaum noch einsehe, beim eigenen Tod so zu tun, als könnte jemand da krumme Dinger drehen und es ließe sich vermeiden. Du sprichst ja auch nicht von vermeiden, sondern von erschweren :) Sehe ich ähnlich ... nur eben denke ich nicht, dass es so schwer ist. Verbot hin oder her.


Ich denke auch, dass es genügend Fälle gibt, wo sich alle einig sind, dass Person X (inklusive der Person natürlich) ein frieliches Ende bekommen sollten anstatt Monate oder Jahre zu leiden.


Zu dem Thema + Kassenleistungen: Ich hab neulich eine alte Dame auf der Straße aufgelesen, die war aus ihrem Heim ausgewandert, was ich natürlich nicht wusste. Die stand fast auf der Straße und natürlich hielt niemand an. Also eingepackt, Rollator in den Kofferraum und erstmal gefragt, woher / wohin. Adresse bekommen ... als wir da aufschlagen, stellt sich heraus: Das war mal ihre Wohnung, nun wohnt da eine andere Familie. Die haben sie auch ins Heim gebracht damals (nachdem sie einander über 5 Jahre kannten). Die haben sich wunderbar um sie gekümmert, wenn man bedenkt, dass sie nicht einmal verwandt sind. Leider haben sie weder Vormundschaft noch sonstwas, daher können sie sich das Heim nicht direkt aussuchen, so musste sie in den "billigsten nächste Schuppen" (danke, Staat). Natürlich könnte die neue Familie auch nichts anderes bezahlen, eher gar nichts. Leider ist allen Kennern bewusst, dass in diese Einrichtung eigentlich NIEMAND gehen will. Weshalb sie auch schon mehrmals da weglief. Mit ihren 93 erinnerte sie sich zwar an ihre alte Adresse, aber nicht daran, dass sie da gar nicht mehr wohnt. Möbel weg? Wer sind die Leute? Was soll das? Ich verstehe das nicht, mir wird so schlecht ... Ach, ich wohne woanders? Aber meine Nachbarn, die kennen mich doch bestimmt noch!! Was habt ihr mit mir vor ... Ach, dann schießt mir doch endlich in den Kopf, was soll ich denn noch ohne Wohnung ...


Was nu? Da rufst du in dem Heim an und es meldet sich "irgendwer". Und auch nach 30 min. kommt keiner (die wollten eigentlich die Polizei schicken).


Dann rufste nochmal an und dieses Mal geht ein "Mitarbeiter" ran. "Ja, wir schicken ein Taxi". Das dann auch kam ... nach weiteren 20 min. Es wusste niemand, dass die Frau überhaupt weg ist. Und es war nicht das erste Mal, sondern kommt wohl oft vor.


Da fragt man sich:
- sie kann nicht mehr alleine, das stimmt (zu oft Feueralarm / Gefahrensituationen)
- sie muss betreut werden (oder eben NICHT)??
- du hast genug Einfluss, um sie unterbringen zu LASSEN, aber nicht, um zu bestimmen, wohin und selbst pflegen (wie du sagst) geht einfach nicht.
- sie ist alt und vergesslich, aber nicht blöd. Sie weiß genau, was sie will. Und sie will NICHT an dem Ort weiter existieren und andere Optionen sind ihr verwehrt.
- sie weiß, dass sie nach 93 Jahren ohne Familie, Partner oder eigene Bleibe einfach keinen Sinn mehr sieht ...


Und du stehst dann da und schickst sie jedes Mal wieder zurück? Großartig. Auch ne Form von Freiheitsberaubung, meiner Meinung nach.


Fazit:
Ich würde sie töten, falls sie es denn wirklich wollte und ich sie besser kennen würde, um das zu beurteilen. Natürlich sagt sich das leicht, aber ich weiß selbst, wie es sich anfühlt, wenn du keinen Ausweg siehst und sie hat nun einmal faktisch wirklich keinen und ist zu alt, um noch mit ordentlich Power nach nem Weg zu suchen. Und es IST KEINER DA!! Da hilft keine Therapie oder Freundschaft, sie vergisst nach und nach alles und erinnert sich kaum noch an Dinge, die das Leben bereichern. Sie empfindet nur noch, und zwar jeden Tag, dass sie "keine Lust auf den Scheiß" hat.


Das ist für mich so ein Fall, wo das Wort "missbrauch" wieder ganz anders aussieht :) Missbrauch staatlicher Macht zB., um zu vermeiden, dass jemand in Würde "zu Ende" leben oder sterben kann. Nicht, dass das die Absicht des Staates wäre. Aber es ist ein Resultat der einfachen Entscheidung, "Nein" zu sagen und einfach "Missbrauch" drüber und zu lasch diskutierte Ethik/Moral - Dinge daneben zu schreiben. Da hilft auch reden nix, es ist so. Nun gibt es einige, die sagen: Würde heißt nicht, dass man über das eigene Leben und den Tod frei entscheiden kann, sondern, dass man nach bestimmten Standards leben kann. Hm ... kann sie das? Vermutlich, gleichzeitig nein, weil sich offenbar nicht genug um sie gekümmert werden kann (auch das ist nicht so leicht, dank der aktuellen Situation was Pflege betrifft). Will sie das? Nein.
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Geändert von _drachenkind (25.05.2019 um 07:40 Uhr)
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  #174  
Alt 25.05.2019, 07:45
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Drachentoeter
 
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So, ein neuer Post, sonst wird der andere zu lang. ^^

Aus oben genannten Gründen bin ich also gegen legalisierte Sterbehilfe.

ABER: Ich kann verstehen, wenn der jeweils Einzelne anders darüber denkt. Und ich weiß zum Beispiel auch
nicht, wie ich mich verhalten würde, wenn mich ein guter Freund um Hilfe bittet, weil er unheilbar krank ist,
nur noch leidet, aber ihm die Sterbehilfe verweigert wird.

Es ist ein schwieriges Thema, und ich denke, dass man indivduell und nicht staatlich sanktioniert entscheiden
sollte - im Bewusstsein der Verantwortung, die man damit übernimmt.



Ich bin definitiv dafür, dass es nicht verboten sein sollte, sofern eindeutig und völlig unumstritten die Betroffenen selbst eine bewusste entscheidung fällen und diese lange genug (mind. eine Woche) im Kreis ihrer Verbliebenen kommunizieren, von sich aus. Ich bin auch dafür, dass Angehörige ihren Widerspruch einlegen dürfen, der aber im Anbetracht der Situation von Person X nicht gelten MUSS. Ich bin auch dafür, dass diese Gesellschaft noch ein wenig reifen sollte, bevor man das pauschale Verbot aufhebt.


Noch ein Beispiel: Jemand, der heute seit über 10 jahren im Wachkoma liegt. Totaler Pflegefall. Inkl. Operationen hinterher, weil er mal aus dem Bett fiel und sich die Hüfte oder sonstwas brach, oder weil nun der Körper durch Null Bewegung einfach abbaut ... Grund fürs Koma: Zu lange wurde versucht, ihn nach einem Zusammenbruch wiederzubeleben. Daher Hirn-Schäden. Hätte man ihn einfach sterben lassen sollen? JA (Meine Meinung). Dazu gibt es auch Gesetze, denn Sanitäter / Ärzte brauchen klare Grenzen, um zu entscheiden, ab wann sie von der Pflicht zur Hilfe entbunden sind (Wahrscheinlichkeit von Hirnschäden etc ...).


Wenn es in solchen Fällen (nicht weniger schwieriges Thema) gelingt, klare Grenzen zu setzen, die BEIDES ermöglichen ... warum dann nicht bei der Sterbehilfe?
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  #175  
Alt 25.05.2019, 07:54
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Drachentoeter
 
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Die nächste Frage wäre: Was ist mit Schwerbehinderten? Ich meine solche, die nur noch "atmendes Fleisch"
sind, sich nicht um sich selbst kümmern können und ihr ganzes Leben lang eine rund-um-die-Uhr-Pflege
benötigen? Die niemandem mehr etwas "nutzen"?
Wir hatten schon einmal Euthanasie - wer sagt, dass sie nicht erneut eingeführt werden könnte? Und das gilt
dann auch für solche, die nicht behindert geboren wurden, sondern es z. B. aufgrund eines Unfalls wurden.

Sind wir uns auch einig (also dass man solche Menschen nicht einfach abwerten und "abschaffen" darf). Es kommt auf die Ziele der Bevölkerung an!

Für mich ist die Pflege und Prinzipielle Lebenserhaltung solcher "nutzlosen Mitglieder der Gesellschaft" derzeit aus nur einem Grund moralisch notwendig:


Wir wissen nicht, wie viel Leben / Gesinnung / Bewusstsein der Geist wirklich noch hat. Ob sie das Leben genießen, annehmen oder ablehnen ...



Könnte man auch das eindeutig feststellen, wäre die Situation viel, viel schwerer. Ich sehe nicht ein, dass man mich persönlich aus Prinzip am Leben halten sollte, sobald ich für andere nichts weiter als eine Last werde. Das ist mit meinen eigenen Werten nicht vereinbar und so wichtig bin ich nun wirklich nicht!!


Ich bin aber schon dafür, dass man nach medizinischen Möglichkeiten eintscheiden dürfen sollte, ob ein Kind, das mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit eine schwere Behinderung haben wird, geboren werden soll. Das sollte die Mutter / Eltern allein für sich entscheiden dürfen. Ja, auch schweres Thema. Aber mal ehrlich: Evolution und so?? In der Natur läufts barbarischer ab, aber es liegt in ihr, Schwächere / Kranke nicht weiter im Genpool zu lassen. Punkt. Ob wir das ändern wollen oder nicht, ist unser Ding. Genau so, wie ich sehr vorsichtig wäre in Sachen Geschlechtsverkehr, falls ich nachweislich leicht vererbbare Krankheiten oder gar direkt ansteckende Krankheiten hätte, darf es nicht falsch sein, schwere Behinderungen zu vermeiden. Wohl gemerkt, möglichst lange, BEVOR das Kind geboren wird und das heißt NICHT, dass Designer-babies sofort gleichermaßen legitim sein sollten. Den Anspruch auf "eigen Fleisch und Blut" finde ich im Angesichrt der Ungleichheit und Armut auf der Welt ohnehin fast schon obszön ( aber nachvollziehbar ). Adoptiere, falls du unbedingt ein Kind möchtest. Aber das ist natürlich wieder zu einfach :)
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Geändert von _drachenkind (25.05.2019 um 07:57 Uhr)
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