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Alt 20.01.2019, 18:59
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Irminsul Irminsul ist offline
Yavalar
Vampirjaeger
 
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Zitat von Zelaya Alavena Beitrag anzeigen
Ich weiß das sehr zu schätzen. Meistens ist es tatsächlich sehr schwierig, mit "gesunden" Menschen über psychische Erkrankungen zu sprechen. Wenn sie weder selbst Betroffen noch Angehörige sind, können die meisten das absolut nicht verstehen.
Die "schlimmsten" Sätze, die ich von absoluten Ignoranten um die Ohren gehauen bekommen habe waren: "Stell dich nicht so an!", "Reiß dich zusammen!" und "Du tust nur so als ob. Du bist nur faul!"
Und das auch noch von meinem (Ex-)LaG.
Naja. Heute habe ich mehr Leute, die mich unterstützen, als ich mir früher hätte träumen lassen. Also ist der Kampf heute einfacher geworden und ich muss ihn nicht mehr alleine austragen.
Im Grunde bin ich mit meiner Erkrankung recht offen. Nur würde es meist den Rahmen sprengen, ausführlicher darüber zu sprechen.
Und ich bin ja jetzt auch nicht sterbenskrank oder so. Eigentlich habe ich es noch recht gut getroffen.
Deine Beispielsätze hat mein Jüngster auch schon das eine oder andere Mal gehört. Mittlerweile geht es etwas besser; liegt zum einen daran, dass er derzeit den passenden 'Rahmen' für sich gefunden hat (was sich aber auch wieder ändern kann) und zum anderen daran, dass er endlich den Grund dafür kennt, dass er so ist, wie er ist.


Zitat:
Zitat von Silmarillion Beitrag anzeigen
@ Irminsul: weise und schöne Worte. Nur einen Einwand: ich würde es nicht als Kampf umschreiben und sehen. Das klingt so negativ und wird dem Sachverhalt auch meistens nicht gerecht. Ich würde es als Herausforderung und Prüfung sehen. Das Bestmögliche aus seinem Leben zu machen. Die Steine, die einem auf den Lebensweg gelegt werden zu umgehen und die Hürden und Abgründe zu überspringen.

Und natürlich ist das leichter geschrieben als getan. Keine Frage. Aber es ist die einzige sinnvolle Option und Herangehensweise.
Es ist eben schwer etwas zu erklären, was man nicht genau benennen kann oder auch möchte. Bei meinem älteren Sohn hatten wir eine frühe Diagnose, ihm konnte dementsprechend auch früh geholfen werden. Seine 'Probleme' sind übrigens nicht psychischer Natur, sie sind auf einen Geburtsfehler zurückzuführen. Hätte nicht sein müssen, wenn die Hebamme nur rechtzeitig die diensthabende Ärztin geholt hätte. Es ging aber noch glimpflich ab und mit den Jahren kam er immer besser zurecht. Heute merkt man ihm eigentlich kaum noch etwas an.

Bei meinem jüngeren Sohn liegt die Sache völlig anders. Er machte eine überbetriebliche Ausbildung und dort hegte eine Betreuerin einen ganz bestimmten Verdacht. Sie riet dazu, einen Facharzt aufzusuchen, was mein Sohn nach anfänglichem Zögern auch gemacht hat. Als er die Diagnose bekam, fielen wir aus allen Wolken. Ich habe dieses oder jenes vermutet, aber nicht das. Der Verdacht der Betreuerin hat sich übrigens bestätigt.

Die Probleme begannen bei ihm erst in der Pubertät. In den letzten Schuljahren und danach, als es mit der Berufsorientierung, Lehrstellensuche etc. los ging. Nichts klappte mehr und durch sein Verhalten wurde er oft missverstanden. Er nimmt manches anders wahr, das ist sein großes Problem.

O.k., ich wollte meinen Beitrag gerade abschicken ohne zu schreiben, was mein Jüngster nun eigentlich hat. Aber nun sehe ich, dass ihr offen damit umgeht, also tue ich es eben auch. Mein Sohn ist Autist; er hat Asperger und diese Form des Autismus wird meist erst im Erwachsenenalter festgestellt. Falls es überhaupt festgestellt wird. Manche bekommen ihre Diagnose erst noch viel später als mein Sohn. Es gibt auch nicht wenige, die eine Ahnung haben was mit ihnen los ist, aber erst gar keine Diagnose wollen.
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