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Vollständige Version anzeigen : Ich-Erzählung


deggro
04.01.2014, 22:37
So guten Tag zusammen




Ich will mal was anderes als immer nur in der 3. Person zu schreiben und da die 2. Person blöd klingen würde..
Hast du gedacht du würdest dich gern mal an die 1. Person wagen... (Ähm kleiner Scherz^^)

Doch was muss man da beachten? würde mich sehr über ein paar Tipps freuen!




Liebe Grüsse
Deggro

Telorion
04.01.2014, 22:52
Der Ich-Erzähler hats mir auch seit einiger Zeit angetan, wobei ich lange nichts damit anfangen konnte. Da es also keinen "Erzähler" der Geschichte gibt muss man immer daran denken, dass man aus der Sicht dieser einen Person die Story erzählen muss. Er/sie kann z. B. nicht wissen, was andere denken, sondern nur vermuten. Dieser Blickwinkelwechsel ist nicht ganz einfach, aber sehr reizvoll. Manche Geschichten sind besser mit dem Ich-Erzähler geschrieben, weil man dann als Leser viel näher an der Person dran ist. Will man jedoch mehrere Handlungsstränge und Hauptpersonen bedienen, ist das nicht geeignet.

deggro
04.01.2014, 23:00
Danke. ;) ja früher hat ich sie auch nich soo gern... Aber jatzt hab i ein Paar gelesen.... ;)


Also was mir noch eingefallen ist "darf" Mann ein Prolog in der 3. schreiben und erst beim 1. Kapitel in die ich Erzählung?

Cassandra
04.01.2014, 23:41
Ich würde sagen, dass es hierbei auf den Kontext ankommt. Falls Du einen guten Grund hast, den Prolog in der 3. Person zu schreiben bzw. falls es inhaltlich Sinn macht,
würde es schon gehen. Ansonsten solltest Du von Anfang an bei der 1. Person bleiben.
Übrigens war ich früher ebenfalls kein Fan der 1. Person, aber mittlerweile hat sich das geändert (genau genommen, seit ich vor vielen Jahren "What's eating Gilbert Grape"
gelesen habe ^^). Neuerdings schreibe ich sogar die eine oder andere KG in der 1. Person.
Wie Telorion bereits sagte, man muss auf einige Dinge achten, aber es kann durchaus spannend sein, wenn man z.B. als Leser nicht mehr weiß als der Protagonist und sich
mit diesem quasi auf einer Stufe befindet usw. - es gbit da viele Möglichkeiten, eine Geschichte aus Sicht des Ich-Erzählers spannend zu gestalten.

Wenn Du magst, kannst Du Deine ersten Ergüsse ja mal hier reinstellen. :smile:

deggro
05.01.2014, 10:08
Ich würde sagen, dass es hierbei auf den Kontext ankommt. Falls Du einen guten Grund hast, den Prolog in der 3. Person zu schreiben bzw. falls es inhaltlich Sinn macht,
würde es schon gehen. Ansonsten solltest Du von Anfang an bei der 1. Person bleiben.
Übrigens war ich früher ebenfalls kein Fan der 1. Person, aber mittlerweile hat sich das geändert (genau genommen, seit ich vor vielen Jahren "What's eating Gilbert Grape"
gelesen habe ^^). Neuerdings schreibe ich sogar die eine oder andere KG in der 1. Person.
Wie Telorion bereits sagte, man muss auf einige Dinge achten, aber es kann durchaus spannend sein, wenn man z.B. als Leser nicht mehr weiß als der Protagonist und sich
mit diesem quasi auf einer Stufe befindet usw. - es gbit da viele Möglichkeiten, eine Geschichte aus Sicht des Ich-Erzählers spannend zu gestalten.

Wenn Du magst, kannst Du Deine ersten Ergüsse ja mal hier reinstellen. :smile:

So auch bei dir: danke!



Bei mir wars Percy Jackson :smile:



Ja kann ich mal machen

Kaeptn
05.01.2014, 10:10
Sogar ein mehrfacher Wechsel zwischen 1. und 3. Person ist gar nicht unüblich. Die Alex Cross-Reihe von James Patterson fällt mir da z.B. ein. Da ist der Ermittler ein Ich-Erzähler, ab und an wird aber auch erzählt, was der Täter tut (3. Person). Wie mand as dann findet, ist ne andere Frage.

Neben der Handlung ist es auch eine Charakter-Frage. Die Figur muss auch hinreichend interessant sein, dass der Leser überhaupt so nah an ihr dran sein will.

Bei Fantasy muss man sich überdies vor Augen halten, dass die Weltbeschreibung schwierig wird, wenn die Welt für den Ich-Erzähler nichts Neues ist. Was für den Leser neu und wunderbar ist, ist für den Ich-Erzähler Alltag, da kann man beim Schreiben auch mal in die Bredouille kommen.

Zur Handlungsproblematik:
Ich schreibe aktuell auch einen Ich-Roman und bin da im Finale z.B. in ein Riesenproblem geraten, weil ich eine große Schlacht schildern will, aber nur den winzigen Bildausschnitt des Protas habe, den ich aber auch nicht ständig von A nach B hetzen kann, damit er alles wichtige sieht.

deggro
06.01.2014, 20:14
Danke kaeptn

Artheos
11.02.2014, 14:26
Aus irgend einem Grund kann ich aus der Sicht eines Ich-Erzählers viel besser schreiben,als mit anderen Perspektiven.
Aber manchmal wechsel ich dann doch mal zu einem anderen Erzähler,wenn es um Dinge geht,die der Protagonist nicht erlebt,über
die ich aber trotzdem schreiben will.In meiner aktuellen Geschichte passieren sogar nach dem Tod der beiden Protagonisten noch nennenswerte Dinge(was genau passiert sage ich jetzt [noch] nicht,vielleicht später mal,wenn ich die Geschichte hier reinstellen will).

Rastaban
19.02.2014, 22:10
Ich halte die Ich-Perspektive im Fantasybereich für durchaus schwierig. Derzeit schreibe ich an einer Novelle im Fantasybereich und schrieb einiges erst in der Ichperspektive, bis mir aufgefallen ist, daß die in diesem Falle nicht unbedingt geeignet ist. Wenn ich mich richtig erinnere, kenne ich bisher keinen bekannten Fantasyroman, der durchgehend in der Ichperspektive geschrieben ist (bin mir aber nicht sicher).

Für ein sehr tiefgreifendes Psychogramm des Protagonisten ist diese Perspektive natürlich hervorragend geeignet, da ja alles aus der Sicht desselben erlebt wird.

Formorian
20.02.2014, 06:26
Einen ganzen Roman aus der Ich-Perspektive zu erzählen halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit, aus den von Artheos erwähnten Gründen. Vielschichtigkeit und Tiefe lassen sich nur durch Perspektivwechsel erzeugen, es sei denn der Prota ist ein allsehendes, allwissendes göttliches Wesen. Für eine Kurzgeschichte ist diese Erzählform jedoch sehr gut geeignet, vor allem wenn der Erzählende über die Handlungen und die (von ihm angenommenen) Motive der anderen Handlungsträger reflektiert und diese dann plötzlich ganz anders reagieren als von ihm erwartet. Nur ist dieser Gag leider nicht genug, um ein ganzes Buch zu tragen.

Cassandra
20.02.2014, 09:02
Jetzt muss ich doch glatt dem Meister widersprechen - die Welt muss am Rande des Abgrunds stehen ... :eek:

Auf Anhieb würden mir "What's eating Gilbert Grape" von Peter Hedges oder "Die Grasharfe" von Capote einfallen. Natürlich gibt es noch eine Menge mehr,
aber was ich damit sagen will: Auch in einem Roman, der ausschließlich aus der Ich-Perspektive geschrieben wurde, kann durchaus jede einzelne Figur eine
Tiefe besitzen, klar charakterisiert sein und nach (mehr oder weniger) eindeutigen Motiven handeln.
Natürlich nötigt es dem Autor einiges ab, seinen Ich-Erzähler auf der einen Seite nicht als unrealistischen Alleswisser zu zeichnen und gleichzeitig die
anderen Figuren nicht als Statisten und Stichwortgeber in den Schatten des Haupt-Protagonisten zu stellen. Auf der anderen Seite muss er in der Lage sein,
die weiteren Akteure der Handlung nicht nur dadurch zu charakterisieren, wie der Ich-Erzähler sie wahrnimmt, sondern auch bzw. vor allem durch ihre eigenen
Handlungen und Aussagen.

Gelingt dem Autor dies alles, kann eine sehr spannende, vielschichtige und auch lange Geschichte, sprich, ein guter Roman entstehen.
Was übrigens nicht nur für die oben erwähnten Romane gilt, sondern im Grunde für jedes Genre.

Formorian
20.02.2014, 14:12
Bist halt die Belesenere von uns beiden :magic: .
Die Ich-Form auf Weitstrecke ist wohl wirklich nur was für echte Vollblutkünstler, kleine Würstchen wie du oder ich sollten besser die Finger davon lassen. Und natürlich macht es einen Unterschied, ob man einfach nur eine beliebige Figur ihre Erlebnisse, Ansichten und Meinungen erzählen lässt oder aber eine komplexe fiktive Handlung mit allen möglichen Wendungen und Verschachtelungen entwirft. Da pflichte ich Rastaban absolut bei: für Fantasy höchst ungeeignet.

Cassandra
20.02.2014, 14:23
... zumindest solange, bis ein Capote der Fantasy aufkreuzt - dann geht's ab! :cool:

Elyan
20.02.2014, 15:34
Interessante Diskussion ... tatsächlich ist der Vorteil einer Ich-Erzählung, dass die Leserschaft regelrecht in den Prota reingesogen wird ... allerdings sind die Problematiken ja schon beschrieben. Die Lesenden sehen immer nur einen Ausschnitt, die Perspektivwechsel fehlen ... und last but not least ... ich kann mich als Autor nicht so göttlich ausleben und bin mit einem Mal begrenzt auf ein winziges Wesen ...

Aber es wäre ein interessantes Experiment ... bin mal sehr gespannt, Mr. Kaeptn, wie Du Deinen Roman entfaltet hast. Wann kommt er denn raus?

Und ... hust ... Meister ... als kleine Würstchen würde ich Euch beide ja wahrhaftig nicht bezeichnen ... vielleicht seid ihr zwei ja die Capotes der Fantasy :zwinker:

Stefan11
27.02.2014, 10:01
Wer als Ich-Erzähler schreibt, muss sich nicht auf eine einzelne Person und ihre Sicht der Dinge konzentrieren. Er kann durchaus mehrere Personen auftreten lassen: Kapitel 1 wird von Person A erzählt, Kapitel 2 von Person B, Kapitel 3 wieder von A usw. ...
Das kann reizvoll sein, wenn beide dieselbe Geschichte erleben, ihren Fortgang aber aus der jeweiligen subjektiven Sicht immer unterschiedlich kommentieren. Oder sie handeln vielleicht nur vordergründig gemeinsam, verfolgen nebenbei aber unterschiedliche Ziele, von denen der andere nichts ahnt, während wir als Publikum durch die inneren Monologe der Ich-Erzähler immer auf dem Laufenden sind über sich anbahnende Intrigen und Fallen. Das ermöglicht viele spannende Szenarien, ist erzählerisch aber natürlich nicht ganz leicht, wenn man jedem Ich-Erzähler seinen eigenen Tonfall verpassen will.

Cassandra
27.02.2014, 10:56
Stimmt, dazu fällt mir z. B. "About a Boy" von Nick Hornby ein (kein Fantasy-Roman, aber trotzdem). Hier wird jeweils ein Kapitel aus Markus Sicht und
nächste aus Wills Sicht erzählt usw. Klappt prima. ^^

Dragana
22.12.2015, 17:32
Also ich persönlich finde die Wirkung bei Kurzgeschichten, die in der Ich-perspektive geschrieben sind, sehr interessant. Bei langen Geschichten wie Romanan mag ich das eher nicht.

Lilmuffisan
22.12.2015, 19:10
Es kommt auch drauf an, wie es geschrieben ist. Ich kenne einige Werke, deren Ich-Erzählung so geschrieben wurde, dass es nur in den entscheidenen Momenten auffällt wo es vor allem auch am Besten hinpasst...